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Laufszene Freiburg Das Buch Der Läufer

Rede zur Buchvernissage anlässlich des 1. Freiburger Countdown-Laufes 2004  

______________________________________________________________________________________ Laufszene Freiburg Das Buch Der Läufer

(Andreas Strepenick, Sport-Ressort Badische Zeitung Freiburg)

Leute, lauft und kauft dieses Buch, es ist gut. Geschrieben hat's einer, der weiß was er tut und der sich auskennt in seinem Thema Das lässt sich leider längst nicht von allen Buchautoren sagen Um deutlicher zu werden: Auf dem Markt der Sportbücher in Deutschland hat sich viel Schrott gestapelt, von Menschen, die es für chic halten, 400 Seiten in zwölf Wochen zu schreiben und von Verlagen, die auch noch eine Leistung darin sehen, Bücher wie in einem Durchlauferhitzer in Höchstgeschwindigkeit und ohne Sorgfalt zu produzieren.

In diesem Buch hier steckt Zeit. Max Frei hat sich dafür Zeit genommen, und wer ihn naher kennt, fragt sich gelegentlich, woher er diese ganze Zeit genommen hat neben dem Leistungssport und dem Studium und der Freundin und den Freunden und den Reisen und den Partys. Er sei ein Mensch, lesen wir in der Charakterisierung durch seinen Mitbewohner Flonan Gediehn, der viele seiner Ziele so verfolge: konsequent, irgendwie aber auch nicht Man kann sich sicher wundem über diesen jungen Schweizer, der bei der Weltmeisterschaft der Bergläufer zu Bronze mit der Mannschaft rennt, aber auch ein entspanntes Verhältnis zum Besten pflegt, was diese Region hervorzubringen vermag: Spätburgunder Rotwein, Fischinger Weingarten. Jahrgang 2001, im Holzfass gereift. Der dann, wenn wieder mal alles überkocht in ihm, zum Schwimmen geht, nicht ins Faulerbad, sondern im Rhein. Man stellt sich diesen Menschen dann vor, wie er versucht, gegen den Strom zu schwimmen, gegen die gebotene Richtung, wie er das ja auch sonst immer gern tut, weshalb alie Versuche, sein Leben in Regeln und Normen zu pressen, von vornherein zum Scheitern verurteilt sind.

Er sei ein Wald- und Wiesenläufer, hieß es einst abwertend und despektierlich über Max Frei, aber eigentlich passt das ganz gut. und dann passt es doch wieder ganz und gar überhaupt nicht, denn die Sorgfalt und die Konsequenz. mit der er" La ufszene- Frei bürg" verfasst hat, weisen ihn doch wieder als zielstrebigen Menschen aus, der uns mit äußerster Genauigkeit davon zu überzeugen versucht, wie schön und wie sinnvoll es ist, zu laufen.

"Wir sind frei", schreibt Max Frei. "Wir können laufen, wohin wir wollen, so schnell oder langsam wie wir wollen." "Wir laufen, um die Natur zu erleben, hinaus in die Wälder, zu jeder Jahreszeit, raus in die Natur. Wir folgen diesem Lockruf und genießen es, zwischen Wäldern und Wiesen umherzuschweifen und unsere Sinne mit der Schönheit der Natur zu berauschen". Max Frei hat aber noch mehr zu sagen über seinen Sport, er berichtet uns von der Freiburger Schule und davon, dass im Breisgau schon gelaufen wurde, als noch nicht jeder nachts von seinem ersten Marathon träumte. Er berichtet von den Erfolgen einer Sportmedizin, die zu bestimmten Zeiten weltweit berühmt war. Es sind diese Kapitel, bei denen wir dann aber auch gelegentlich schnell weitergeblättert haben Etwa hier auf Seite 41: "Joseph Keul definierte nach empirischer Forschungsarbeit die individuelle anaerobe Schwelle bei einem Steigungswinkel der Tangenten an die Laktatleistungskurve von 51 Grad 34 Minuten." Ah, ja. Gottlob kommen leichtere Passagen.

Zu den schönsten gehören die, in denen Max Frei andere Läufer porträtiert, Menschen aus der Welt seines Sports interviewt, der ganzen Laufszene dieser Region Gesicht und Stimme gibt. OB Dieter Salomon etwa, dem Oberbürgermeister, der grünen Lunge dieser Stadt, die dann am liebsten läuft - ich zitiere: "Wenn es in der Stadt geregnet hat. Ich mag die regennassen Vorgärten, die Tropfen auf den Gräsern, den Geruch der feuchten Erde und die Klarheit der Luft."

Das erfahren wir also von unserem OB. und viel auch von Rolf Luxenburger, einem der ganz großen alten Trainer dieser Region, die in Jahrzehnten mehr für die Leichtathletik taten, als so manche das in den letzlen paar Jahren marktschreierisch von sich selbst behauptet haben. Überhaupt hat sich Max Frei für seine Porträts interessante Figuren ausgesucht, nicht die Angeber und Selbst vermarkter, sondern jene, die in ihrem Sport und für ihren Sport leben und dabei authentisch und konsequent blieben. Winfried Stinn möchte man ganz entschieden hinzu rechnen, einen Journalisten und jahrzehntelangen Begleiter der Szene, öer nicht müde wird, anzurennen gegen die Fußballlastigkeit der Medien.

Markus Bohmann möchte ich noch erwähnen, jenen - ich zitiere -"Hauptrepräsentanten der alternativen Freiburger Schule", die nicht unbedingt und immer in das Bild passt, das wir Sportreporter uns machen vom engagiert und ernsthaft betriebenen Leistungssport. "Abartig, ich hab Party gemacht heute Nacht, bis um halb fünf, erfahren wir da von Markus Bohmann. "Scheiße. Ist vielleicht nicht die richtige Wettkampfvorbereitung gewesen ... Oder? Was denkt Ihr?" Ein paar Stunden später läuft Bohmann dann zur Vizemeisterschaft im deutschen Hochschulsport, und wer noch mehr über "Bohmi" erfahren will, muss halt dieses Buch kaufen.

Gestatten Sie mir noch eine Anmerkung aus der Sicht des Tagesleitungsjoumalisten, der Stunde um Stunde überrannt und überflutet wird von so vielen so wahnsinnig wichtigen Sportnachrichten. Mir hat der Sport, den die Menschen im Alltag und für sich selbst treiben, immer sehr viel bedeutet, so kam ich überhaupt erst zu meinem Beruf, nicht aus der Perspektive des Schalensitzes im Dreisamstadion heraus, sondern weil mir das Sporttreiben selbst so viel Freude bereitet. Ich frage mich immer, wie es gelingen kann, diese Welt des Leistungssports, des Hochleistungssports, zu verknüpfen mit der Welt des Otto Normal Sportlers, der Frieda Normal Sportlerin, die sich selbst fit hält und für sich selbst etwas tut und ihren Lebensalltag mit Sport auf so kluge und überzeugende Art und Weise bereichert.

Ich denke, wenn ein Leistungssportler die halbe Region rauf und runterrennt, auf mehr als 200 Seiten Laufrouten beschreibt und empfiehlt und dann das ganze Kaleidoskop möglichen Sporttreibens in seiner Heimat beleuchtet, Tipps gibt und Ratschläge, Freude vermittelt und Mut macht: Dann sind Leistungssport und Breitensport auf ideale Weise miteinander verknüpft. Das gefällt mir am besten an diesem Buch. Dass ein Arrivierter, ein Könner seines Fachs, ganz viele Gänge zurückschaltet und sich dem Anfänger zur Seite stellt. Denn Anfänger waren wir alle mal. Und irgendwie fangen wir jeden Tag neu an.

Es gibt viel zu lesen, meine Damen und Herren, ich wünsche Ihnen viel Spaß dabei.