Der 26-jährige Athlet Max Frei hat ein Buch über die „Laufszene Freiburg"
geschrieben
VON UNSEREM REDAKTEUR ANDREAS STREPENICK
Er sei ein Wald- und Wiesenläufer, hiess es einst abwertend und despektierlich
über Max Frei, aber eigentlich passt das ganz gut, denn der Mann liebt den Wald
und die Wiesen. „Wir sind frei", schreibt Max Frei. „Wir können laufen, wohin
wir wollen, so schnell oder so langsam wie wir wollen. Wir laufen, um die Natur
zu erleben, hinaus in die Wälder, zu jeder Jahreszeit, raus in die Natur. Wir
folgen diesem Lockruf und genießen es, zwischen Wäldern und Wiesen
umherzuschweifen und unsere Sinne an der Schönheit der Natur zu berauschen."
Das schreibt ein 26-Jähriger Athlet, Gewinner zahlreicher Regio-Läufe und
zuletzt bei der Weltmeisterschaft der Bergläufer Dritter mit dem Team, Ein
bodenständiger, hier verwurzelter junger Mann, ein Nordschweizer, der in
Freiburg; studiert. Ein Träumer. Einer, der sich quälen kann und der zwei Jahre
lang an seinem Buch „Laufszene-Freiburg" schrieb, meistens nachts, nach dem
Studium und dem Training und dem Wettkampf.
Das Buch ist gut geworden. Der Autor hat alles hineingepackt, was er in 26
Jahren lernte: die Natürlichkeit des Laufens, seine biomechanischen Grundlagen,
das Einmaleins des Trainingsaufbaus und wie man es weit bringen kann in diesem
Sport Was man essen und trinken muss, welche Schuhe die besten sind - und, das
ist das Wichtigste, wo es sich am schönsten läuft. Er beschreibt viele Dutzend
Routen in und um Freiburg, die Klassiker an der Dreisam, den frühmorgendlichen
Lauf in der Altstadt, den besten Weg auf den Schauinsland, die lange Strecke bis
nach Waldkirch. Wenn ein Leistungssportler die halbe Region rauf- und runter
rennt, auf mehr als 200 Seiten Routen erklärt und empfiehlt und das ganze
Kaleidoskop möglichen Sporttreibens in seiner Heimat beschreibt, Tipps gibt und
Ratschläge, Freude vermittelt und Mut macht: Dann sind Leistungssport und
Breitensport auf ideale Weise miteinander verknüpft. Dann begibt sich ein
Arrivierter, ein Könner auf die Stufe eines Anfängers, dann findet ein
Übersetzungsvorgang statt, wie man ihn sich häufiger wünschte in einer
Gesellschaft, die nicht gerade beweglicher geworden ist in den vergangenen
Jahrzehnten.
Max Frei lädt zum Laufen ein, er lockt und er schreibt ein Stück
Heimatliteratur, wenn er seine Leser sozusagen vor der Haustür abholt. Ergänzt
wird das Ganze um Porträts. Sie geben der Laufszene der Region Gesicht und
Stimme. Dieter Salonion etwa kommt zu Wort, der Oberbürgermeister, die „grüne
Lunge" dieser Stadt, der dann am liebsten läuft, „wenn es in der Stadt geregnet
hat. Ich mag die regennassen Vorgärten, die Tropfen auf den Gräsern, den Geruch
der feuchten Erde und die Klarheit der Luft." Das ist zu erfahren vom OB, und
auch viel von Rolf Luxemburger, einem der ganz großen alten Trainer Südbadens,
die in Jahrzehnten mehr für die Leichtathletik taten, als so manche das in den
letzten paar Jahren marktschreierisch von sich behauptet haben. Überhaupt hat
sich Frei für seine Porträts interessante Figuren ausgesucht, nicht die Angeber
und Selbstvermarkter, sondern jene, die in ihrem Sport und für ihren Sport leben
und dabei authentisch blieben. Winfried Stinn möchte man ganz entschieden hinzu
rechnen, einen Leichtathletik-Journalisten und jahrzehntelangen Begleiter der
Szene, der Freude aus seiner Arbeit schöpft und nicht müde wird, mit Witz und
Energie anzurennen gegen die Fußballlastigkeit der Medien.
Es ist also viel zu erfahren über das Laufen in der Region. Und das so kurz vor
dem großen Lauf am 28. März! Das Buch darf im Schrank eines Marathoni nicht
fehlen.
Max Frei: „Laufszene-Freiburg". Erschienen im Selbstverlag, erhältlich im
Freiburger Buchhandel und Sportfachgeschäften, 403 Seiten, 20 Euro (mit zehn
Laufkarten).
