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Laufszene Freiburg Das Buch Der Läufer

Fachbeitrag in der Medizinerzeitschrift 'APPENDIX'  

______________________________________________________________________________________ Laufszene Freiburg Das Buch Der Läufer


Noch ein Laufbuch? Und: Was hat es mit dem umfangreichen Kartenmaterial auf sich? – Diese Gedanken gehen einem spontan durch den Kopf, wenn man das Buch Laufszene – Freiburg von Max Frei zum ersten Mal in der Hand hält. Schließlich gibt es bereits auch ohne diese Neuerscheinung Ratgeber zum Thema Laufen, Joggen und Rennen in allen erdenklichen Variationen, vom Buch für Einsteiger bis hin zu professionellen Trainingstipps für Spitzenathleten. Nicht zu vergessen die unüberschaubare Fülle sog. Lifestyle – Ratgeber, die sich mit Fitness und Ausdauer beschäftigen.

Und trotzdem hat dieses Buch – so viel sei vorweggenommen – seine Berechtigung. Es handelt es sich nämlich um eine Art „Laufführer für die Region Freiburg“, wie der Autor zutreffend in seinem Vorwort bemerkt, und ist somit einzigartig. Max Frei, Student der Sportwissenschaft, Germanistik und Geographie, gehört selbst zu den Spitzenläufern im Kreis Freiburg und hat als Mitglied der deutschen Berglaufnationalmannschaft auch internationale Lauferfahrung und –erfolge gesammelt. Trotzdem stehen in diesem Buch keine Trainingspläne im Mittelpunkt, die sich nur von Spitzenläufern umsetzen lassen. Viel mehr bezweckt der Autor, möglichst vielen Menschen die Freude am Laufen in und um Freiburg zu vergrößern. Das ansprechend gestaltete, durchgehend farbige Buch ist mit aufwendigem Layout übersichtlich gestaltet und logisch durchdacht gegliedert.

Zur Einstimmung auf die Laufregion Freiburg erfährt der Leser, dass die berühmte „Freiburger Schule“ nicht nur wirtschaftspolitische Bedeutung hat, sondern auch in trainingswissenschaftlicher Hinsicht historisch bemerkenswerte Leistungen vollbrachte. Dem folgt ein Teil zur Trainingstheorie, den zu lesen sich für jeden Läufer lohnt. Der Autor versteht es, aktuelle sportwissenschaftliche Erkenntnisse zum Lauftraining allgemeinverständlich dem Leser zu vermitteln. Mit diesen trainingtheoretischen Hintergrundinformationen kann jeder individuell seine Trainingsziele herausarbeiten und dann selbst entscheiden, welche Trainingsform für ihn sinnvoll ist. Schließlich sind die meisten Fehler im Trainingsaufbau nicht allein Resultat falscher sportlicher Einstellung und Zielsetzung, sondern beruhen schlicht auf Unkenntnis über die trainingsmethodischen Hintergründe. Nur wer weiß, was genau er mit einer Trainingseinheit bezwecken möchte, kann diese auch richtig ausführen.

Daher ist es nur konsequent, wenn der Autor im anschließenden praktischen Teil zur Trainingslehre immer wieder auf den theoretischen Teil verweist.
Nur so lassen sich die im Buch umrissenen Trainingsvorschläge und –pläne sinnvoll individuell ausgestalten und umsetzen. Neben allgemeinen Ratschlägen rund das Thema Laufen erhält der Leser zudem freiburgspezifische Tipps, etwa zum Schuhkauf, wo es Einlagen gibt, wo sport- und trainingsmedizinische Betreuung und vieles mehr. Mir fällt hierzu spontan die Bezeichnung „Gelbe Seiten“ für Freiburger Läufer ein. Sowohl optisch als auch inhaltlich wird der Text aufgelockert durch diverse Interviews mit anerkannten Fachleuten zu unterschiedlichen Themen. Beispielsweise antwortet der renommierte Sportmediziner Prof. Dr. Dickhuth zu Fragen zum Thema Laufen und Gesundheit. Durch diese Interviews gewinnt das Buch nicht nur an Abwechslung, sondern unbedingt auch an inhaltlicher Breite. Schließlich werden von ganz unterschiedlichen Gesichtspunkten Überlegungen zum Lauftraining angestellt, die weit über das Spektrum eines einzelnen Autors hinausgehen.

Die zentrale Besonderheit dieses Buches ist aber die wohl einzigartige Vernetzung der Trainingsinhalte mit konkreten Vorschlägen, wo sich in Freiburg diese Trainingsformen gut ausüben lassen. Hierzu beschreibt der Autor zahlreiche Laufrunden, die mit vielen nützlichen Informationen versehen sind. Neben der obligatorischen Weglänge erfährt man vom Wegzustand, Bodenbelag (Asphalt oder Waldeg), Streckenprofil, Laufbarkeit bei Nacht, Höhenmeter und Streckencharakter alles, was man für seine Trainingsplanung wissen muss. Zusammen mit den praktischen Karten lassen sich die Runden hervorragend nachlaufen. Davon profitiert jeder Läufer, der sich neuen Reizen aussetzen will, seien diese landschaftlicher oder trainingstechnischer Art. Zudem erfährt so mancher Wettkampfsportler, wie und wo sich einzelne Bahneinheiten auch im Gelände umsetzen lassen.
Allein dieser Teil ist des Buchs ist für jeden Freiburger Läufer eindeutig eine Bereicherung und daher zu empfehlen.

Im Anschluss an die „Laufrunden“ informiert Max Frei Läufe über Trainingsmöglichkeiten in Freiburg und stellt ausführlich Läufe in der Region vor. Schließlich folgt ein Kapitel „Laufen von A – Z“, in dem wichtige Informationen für Läufer lexikalisch geordnet sind. Diese Übersicht macht zugleich das meiner Ansicht nach größte Manko dieses Buches wett: Es fehlt ein ausführliches Register, das die schnelle Suche nach einzelnen Begriffen noch erleichtern würde. Ansonsten befindet sich das Buch angesichts einer Erstauflage auf einem überraschend hohen redaktionellen Niveau.

Andererseits lädt das Buch aber auch zum Schmökern ein. Dafür sorgen nicht zuletzt versteckte Portraits von herausragenden Läufern und Trainern aus der Region Freiburg, denen man auf der einen oder anderen Laufrunde auch durchaus einmal begegnen kann.

Ach ja, und wer nach der Lektüre immer noch keine Lust verspürt, selbst zu laufen, der kann die meisten Runden auch mit dem Mountainbike abfahren. Auch hierfür finden sich bei den Laufrunden Hinweise, welche Strecke leicht oder etwas anspruchsvoll für Radfahrer ist.

Nun, wer weder läuft noch radelt und die Natur nicht mag, der braucht auch dieses Buch nicht. Für alle anderen sind die 20 Euro angesichts des aufwendigen Hochglanzdrucks und des umfangreichen Kartenmaterials eine absolut lohnenswerte Investition.